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Fachliteratur, Berichte in Fach und -Publikumsmedien sowie Aktuelles
Das Thema Neurodiversität wird schon länger in unterschiedlichen Bereichen diskutiert.
Wir – das Forum Neurodivers – haben eine positive Herangehensweise mit Fokus auf ADHS und möchten zur trialogische Auseinandersetzung mit diesem Thema anregen.
Dazu finden Sie nachfolgend u. a. ausgewählte Fachliteratur, Berichte in Fach und -Publikumsmedien sowie Aktuelles vom Forum Neurodivers.
Fachliteratur (ausgewählt)
Social Media & Medizin
Die neuen Fachleute? Patienten suchen immer häufiger „Medfluencer“ im Netz – ob Scharlatane oder Ärzte
Die Gesundheitsangebote der so genannten „Medfluencer“ im Internet sind uferlos: „Es ist ein wilder Westen an Gesundheitsversprechen. Wir können leider nur einen Bruchteil verfolgen,“ sagt Dr. Susanne Punsmann, Juristin bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen (NRW) und spezialisiert auf den Gesundheits- und Pflegemarkt.
Zusammen mit der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat die Verbraucherzentrale NRW das Projekt „Faktencheck Gesundheitswerbung“ ins Leben gerufen. Es bietet eine Plattform, bei der sich Kunden beschweren können, wenn sie Gesundheitsaposteln im Internet auf den Leim gegangen sind oder ein Angebot verdächtig finden. Die Verbraucherzentralen prüfen, ob eine unzulässige Werbung vorliegt und fordern die Anbieter ggf. auf, diese zu unterlassen. Außerdem bitten sie die zuständigen Aufsichtsbehörden, ebenfalls tätig zu werden. …
“Es ist ein wilder Westen an Gesundheitsversprechen.” –
DAK-Suchtstudie: Millionen Kinder haben Probleme durch Medienkonsum
Gaming, Social Media und Streaming: In Deutschland haben Millionen Kinder und Jugendliche Probleme durch Medienkonsum. Trotz erster positiver Trends bleibt die Mediensucht besorgniserregend hoch.
Bei mehr als 25 Prozent aller 10- bis 17-Jährigen gibt es eine riskante oder pathologische Nutzung sozialer Medien: insgesamt sind rund 1,3 Millionen junge Menschen betroffen. Das zeigt die aktuelle gemeinsame Längsschnittuntersuchung von DAK-Gesundheit und Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE). Demnach sind die Suchtprobleme bei Gaming und Social Media im letzten Jahr zwar leicht zurückgegangen, liegen aber noch immer über dem vorpandemischen Niveau von 2019.
…
Mediensucht deutlich höher als vor fünf Jahren
Laut DAK-Studie hat sich die Problematik der Mediensucht auf hohem Niveau eingependelt und liegt deutlich höher als vor fünf Jahren: Ein Viertel der 10- bis 17-Jährigen nutzt soziale Medien problematisch, darunter gelten 4,7 Prozent als abhängig. Jungen sind dabei mit sechs Prozent fast doppelt so häufig betroffen wie Mädchen (3,2 Prozent). Im Vergleich: Im Jahr 2019 lag der Anteil der problematischen Social-Media-Nutzung nur bei 11,4 Prozent. Das bedeutet einen Anstieg von 126 Prozent.
Weniger dramatisch sind die Ergebnisse beim Gebrauch digitaler Spiele. Demnach nutzten zwölf Prozent aller Kinder und Jugendlichen digitale Spiele problematisch, 3,4 Prozent pathologisch. 2019 waren es 12,7 Prozent problematische Nutzer mit einem Anteil von 2,7 Prozent pathologischer Gamerinnen und Gamern. Neue Entwicklungen zeichnen sich auch beim Streamingverhalten ab, das erst seit 2022 in der Studie erfasst wird. Hier sind die Zahlen konstant hoch: 16 Prozent problematische Nutzer im Jahr 2024 stehen 16,3 Prozent im Jahr 2022 gegenüber. 2,6 Prozent gelten heute als abhängig.
Social Media & ADHS
A double-edged hashtag: Evaluation of #ADHD-related TikTok content and its associations with perceptions of ADHD
Autoren: Vasileia Karasavva, Caroline Miller, Nicole Groves, Andrés Montiel, Will Canu, Amori Mikami
Veröffentlicht: PLoS ONE. March 19, 2025 :e0319335. doi:10.1371/journal.pone.0319335

Auszug:
“We aimed to assess the psychoeducational quality of TikTok content about attention-deficit/hyperactivity disorder (ADHD) from the perspective of both mental health professionals and young adults across two pre-registered studies. In Study 1, two clinical psychologists with expertise in ADHD evaluated the claims (accuracy, nuance, overall quality as psychoeducation material) made in the top 100 #ADHD TikTok videos. Despite the videos’ immense popularity (collectively amassing nearly half a billion views), fewer than 50% of the claims about ADHD symptoms were judged to align with the Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders.
In Study 2, 843 undergraduate students (no ADHD = 224, ADHD self-diagnosis = 421, ADHD formal diagnosis = 198) were asked about their typical frequency of viewing #ADHD content on TikTok and their perceptions of ADHD and were shown the top 5 and bottom 5 psychologist-rated videos from Study 1.
A greater typical frequency of watching ADHD-related TikToks was linked to a greater willingness to recommend both the top and bottom-rated videos from Study 1, after controlling for demographics and ADHD diagnostic status. It was also linked to estimating a higher prevalence of ADHD in the general population and greater challenges faced by those with ADHD.
Our findings highlight a discrepancy between mental health professionals and young adults regarding the psychoeducational value of #ADHD content on TikTok. Addressing this is crucial to improving access to treatment and enhancing support for those with ADHD. …”
Mehr Diagnosen durch Social Media?
Autorin: Dr. med. Mirjam Martin Veröffentlicht: Deutsches Ärzteblatt | Jg. 122 | Heft 4 | 21. Februar 2025
Auszug: “In sozialen Medien häufen sich Posts zum Thema Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS. Die einen freuen sich über eine breitere Aufklärung und Entstigmatisierung, die anderen fürchten eine Pathologisierung bestimmter Verhaltensweisen durch soziale Netzwerke. Das Deutsche Ärzteblatt hat 3 Fachleute zu Vor- und Nachteilen befragt.
Mehr als 5 Millionen Beiträge finden sich unter #ADHD auf Instagram, fast 4 Millionen sind es auf Tiktok. Soziale Medien sind voll von informativen, lustigen oder emotionalen Videos zur Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung (ADHS, engl.: Attention Deficit Hyperactivity Disorder). Betroffene berichten darin etwa von ihren Symptomen, Komorbiditäten oder davon, wie lange der Weg bis hin zu ihrer Diagnose war. …”
“…Welche Rolle soziale Medien dabei spielen, lässt sich nicht eindeutig sagen. Social-Media-Inhalte zu ADHS könnten bei Betroffenen zu einer Überidentifikation mit den Symptomen führen oder zu einer Pathologisierung bestimmter Verhaltensweisen beitragen, befürchteten Expertinnen und Experten auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) im November vergangenen Jahres…”
Social Media – ADHS-Kanäle: Hilfe oder Irreführung?
Autorin: Frederike Klein Veröffentlicht: Springer Medizin (05.12.2024) https://www.springermedizin.de

Auszug:
“Social-Media-Kanäle können zur Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen und zu einer frühzeitigen Diagnose beitragen. Es kursieren aber auch Falschinformationen – und die werden lieber genutzt als medizinisch korrekte Inhalte.
Eine Analyse von Kanälen zur Aufmerksamkeitsdefizit / Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) auf TikTok ergab, dass nur 21% der geposteten Videos fachlich korrekte Informationen enthielten [1. Yeung A et al. Can J Psychiatry. 2022;67(12):899-906]. Gut die Hälfte war irreführend, etwa ein Viertel beschrieb nur persönliche Erfahrungen. Olaf H. Just, Kommunikationsberater aus Freiburg und selbst von ADHS betroffen, ergänzte, dass viele Social-Media-Kanäle zu ADHS von Werbung für Hilfsangeboten aller Art durchdrungen seien. Es sei sehr zu begrüßen, dass die hohe Aufmerksamkeit und die breite Aufklärung über ADHS zu mehr Verständnis für diese Erkrankung geführt habe und Foren den Austausch mit anderen Betroffenen erleichtern. Kritisch sei aber, dass sich inzwischen jeder zu ADHS äußere und es eine regelrechte Selbstdiagnosekultur gebe. Teilweise wird ADHS auch als „Superkraft“ dargestellt, sodass der Leidensdruck der Betroffenen relativiert und die Erkrankung nicht mehr ernst genommen wird. Statt Entstigmatisierung könnte es also durch Falschinformationen auf Social Media wieder zunehmend zu einer Stigmatisierung kommen, befürchtete er.
Evidenzbasierte Information wenig beliebt
In der TikTok-Auswertung waren Informationsangebote von Gesundheitsprofis häufiger korrekt, aber am wenigsten beliebt, berichtete Prof. Dr. Alexandra Philipsen von der psychiatrischen Universitätsklinik in Bonn [1]. Die häufig irreführenden Videos von Laien hatten viel mehr Aufrufe und „Likes“…”
Longitudinal associations between digital media use and ADHD symptoms in children and adolescents: a systematic literature review
Autoren: Lisa B. Thorell; Jonas Burén; Johanna Ström Wiman; David Sandberg; Sissela B. Nutley Veröffentlicht: European Child & Adolescent Psychiatry (2024) 33:2503–2526 https://doi.org/10.1007/s00787-022-02130-3
Zusammenfassung: “The present review shows that digital media use is related to later ADHD as well as vice versa. Thus, these associations are best characterized as reciprocal, in that digital media and ADHD symptom levels affect each other in a complex relation over time. Even though these associations are sometimes small, they should be regarded as important, because they are found rather consistently across studies.”
How evidence-based is the “hashtag ADHD test” (#adhdtest). A cross-sectional content analysis of TikTok videos on attention-deficit / hyperactivity disorder (ADHD) screening
Autoren: Smita Verma, Suman Kumar Sinha Veröffentlicht: Australasian Psychiatry October 18, 2024; https://doi.org/10.1177/10398562241291956
Ergebnisse: “Out of the 50 included #adhdtest videos, 92% (n = 46) were misleading. Furthermore, useful videos had minimal engagement, with only 4% of the total likes, 1% of the total comments, and 7% of the total favorites.”
“The present review shows that digital media use is related to later ADHD as well as vice versa. Thus, these associations are best characterized as reciprocal, in that digital media and ADHD symptom levels affect each other in a complex relation over time. Even though these associations are sometimes small, they should be regarded as important, because they are found rather consistently across studies.”…
TikTok and Attention-Deficit / Hyperactivity Disorder: A Cross-Sectional Study of Social Media Content Quality
Autoren: Anthony Yeung, Enoch Ng, Elia Abi-Jaoude Veröffentlicht: 2022 Feb 23;67(12):899–906. doi: 10.1177/07067437221082854
Conclusion: “Approximately half of the analyzed TikTok videos about ADHD were misleading. Clinicians should be aware of the widespread dissemination of health misinformation on social media platforms and its potential impact on clinical care.”

TikTok’s Sick-Role Subculture and What to Do About It
Autoren: Veröffentlicht: J Am Acad Child Adolesc Psychiatry 2022 Mar;61(3):351-353.doi: 10.1016/j.jaac.2021.09.312. Epub 2021 Sep 14.
Zusammenfassung: “TikTok has carved out a niche where youth can virtually congregate to poke fun at shared experiences from within their own homes, with ordinary backgrounds such as their living rooms, rather than heavily idealized lifestyles seen on other social media platforms. As such, youth are more relatable when they produce personal performances from their homes, ranging from lip syncing and complex dance routines, to videos discussing more serious topics, such as personal struggles with mental health conditions.”…
The Evolution of Social Media and the Impact on Modern Therapeutic Relationships
Autoren: Veröffentlicht: The Family Journal, Volume 30, Issue 1, Oct. 28, 2021, https://doi.org/10.1177/10664807211052495
Zusammenfassung: “…Combining the most popular social networking sites (SNS), Facebook, Twitter, Instagram, Linkedin, and Pinterest, the number of social networking users has exceeded two billion ( Jain, 2013). The average American spends on average 37 min to 2 h and 16 min on SNS each day, which surpasses any other internet activity, including email (Adler, 2014; Batastini & Vitacco, 2020; Kemp, 2019). …The high number of users and the amount of time people spend social networking has given rise to an increased interest of research on social medical and mental health…”
Understanding Problematic Social Media Use in Adolescents with Attention-Deficit/Hyperactivity Disorder (ADHD): A Narrative Review and Clinical Recommendations
Autoren: Tycho J Dekkers, Jorien van Hoorn Veröffentlicht: Brain Sci 2022 Nov 26;12(12):1625. doi: 10.3390/brainsci12121625
Zusammenfassung: “The evidence summarized in this review shows that adolescents with ADHD (symptoms) are likely to display a high intensity and problematic use of social media. From a neurobiological perspective, we explain the appeal of social media from an imbalance between the development of brain regions involved in reward together with limited cognitive control, especially in the social domain. In the social world of adolescents, we note the connectedness of the offline and online social world of peer relationships, such that negative experiences in one social domain may magnify or change experiences in the other. In the family situation, parents may impact social media use by setting an example with own use, employing parental monitoring techniques and by the transfer of emotions from family conflicts to social media.”…
Weitere Studien (verschiedene Themen)
Building Neurodiversity-Inclusive Postsecondary Campuses: Recommendations for Leaders in Higher Education.
Autoren: Dwyer P, Mineo E, Mifsud K, Lindholm C, Gurba A, Waisman TC. Veröffentlicht: Autism Adulthood. 2023 Mar 1;5(1):1-14. doi: 10.1089/aut.2021.0042. Epub 2023 Mar 13. PMID: 36941859 Free PMC article.
Zusammenfassung: “Neurodivergent people are increasingly involved in postsecondary education, but they continue to face serious barriers and challenges on college campuses. These challenges are not only related to disability functional differences and accommodation needs, but also to stigma and prejudice toward neurodivergent people…”

Annual Stigma and Attitudes to Mental Health Survey: 2023 findings (Irland)
Autoren / Veröffentlicht: St Patrick’s Mental Health Services (SPMHS)
Zusammenfassung: “The survey findings reveal that the Irish public are more likely to treat friends and loved ones experiencing mental health difficulties with compassion and understanding than they would themselves.
91% of survey respondents would not see it as a sign of weakness if a friend, colleague or family member sought help for a mental health difficulty; however, only 78% would not consider it a sign of weakness if they themselves sought treatment for a mental health difficulty. This reveals a higher prevalence of self-stigma, which refers to feelings of self-criticism or shame associated with mental health difficulties.”…
Public awareness of mental illness: Mental health literacy or concept creep?
Autoren: Nick Haslam, Jesse SY Tse
Veröffentlicht: Australasian Psychiatry October 18, 2024, https://doi.org/10.1177/10398562241292202
Zusammenfassung: “The survey findings reveal that the Irish public are more likely to treat friends and loved ones experiencing mental health difficulties with compassion and understanding than they would themselves.
91% of survey respondents would not see it as a sign of weakness if a friend, colleague or family member sought help for a mental health difficulty; however, only 78% would not consider it a sign of weakness if they themselves sought treatment for a mental health difficulty. This reveals a higher prevalence of self-stigma, which refers to feelings of self-criticism or shame associated with mental health difficulties.”…
From Puzzle to Progress: How Engaging With Neurodiversity Can Improve Cognitive Science
Autoren: Manalili MAR, Pearson A, Sulik J, Creechan L, Elsherif M, Murkumbi I, Azevedo F, Bonnen KL, Kim JS, Kording K, Lee JJ, Obscura M, Kapp SK, Röer JP, Morstead T. Veröffentlicht: Cogn Sci. 2023 Feb;47(2):e13255. doi: 10.1111/cogs.13255. PMID: 36807910
Zusammenfassung: “In cognitive science, there is a tacit norm that phenomena such as cultural variation or synaesthesia are worthy examples of cognitive diversity that contribute to a better understanding of cognition, but that other forms of cognitive diversity (e.g., autism, attention deficit hyperactivity disorder/ADHD, and dyslexia) are primarily interesting only as examples of deficit, dysfunction, or impairment.”…
Developmental diversity: Putting the development back into research about developmental conditions
Autoren: Hens K, Van Goidsenhoven L. Veröffentlicht: Front Psychiatry. 2023 Jan 6;13:986732. doi: 10.3389/fpsyt.2022.986732. eCollection 2022. PMID: 36684021
Zusammenfassung: “The dominant discourse surrounding neurodevelopmental conditions such as autism and ADHD emphasizes biological explanations. Neurodevelopmental conditions are conceived as different types of brains, the result of different types of genes. This way of thinking is present both in medical research and in clinical practice.”…
Neurodivergence-informed therapy.
Autoren: Chapman R, Botha M. Veröffentlicht: Dev Med Child Neurol. 2023 Mar;65(3):310-317. doi: 10.1111/dmcn.15384. Epub 2022 Sep 9.PMID: 36082483
Zusammenfassung: “The neurodiversity movement is a social movement that emerged among autistic self-advocates. It has since spread and has been joined by many with diagnoses of attention-deficit/hyperactivity disorder, dyslexia, and developmental coordination disorder among others.”…
The neurodiversity concept: is it helpful for clinicians and scientists?
Autoren: Sonuga-Barke E, Thapar A. Veröffentlicht: Lancet Psychiatry. 2021 Jul;8(7):559-561. doi: 10.1016/S2215-0366(21)00167-X. Epub 2021 May 10. PMID: 33984295
Zusammenfassung: “ADHD and autism spectrum disorder are conceptualised as discrete, categorical, neurodevelopmental disorders, which originate in early development 1 and are assumed to be the result of underlying brain dysfunction.2“…
Berichte in Publikumsmedien (aktuell / ausgewählt)
So können Soziale Medien der Gesundheit junger Menschen schaden
Das digitale Leben bietet Chancen, doch die Schattenseite wird immer deutlicher. Jugendforscher mahnen, psychische Risiken der Social-Media-Nutzung im frühen Jugendalter ernst zu nehmen.
Junge Menschen in Deutschland stehen unter Druck. „Sie wollen sich durch Leistung beweisen, beruflich Fuß fassen und ein selbstständiges Leben aufbauen“, heißt es in der aktuellen Trendstudie „Jugend in Deutschland“. Doch Inflation, Wohnungsnot, Klimakrise und unsichere Wohlstandsperspektiven lassen viele Lebensentwürfe scheitern, bevor sie beginnen. Als zentraler Belastungsfaktor kommt laut den Studienautoren noch die Nutzung digitaler Medien hinzu.
Die Studie, erstmals 2020 erschienen, basiert auf Befragungen von 2027 jungen Menschen zwischen 14 und 29 Jahren sowie 4007 Personen im Alter von 30 bis 69 Jahren. Die Autoren sind die Jugendforscher Simon Schnetzer, Kilian Hampel und Klaus Hurrelmann. In Fachkreisen war die erste Veröffentlichung allerdings umstritten, da nicht alle Experten die methodischen Ansätze teilten.
Die Studie zeigt eine Vollzeitquote von 81 Prozent bei jungen Erwerbstätigen – ein vergleichsweise hoher Wert, der deutlich über dem älterer Menschen liegt. Die junge Generation sei bereit, bei der Arbeit ihr Bestes zu geben, erklären die Forscher. Trotzdem fühle sich etwa ein Drittel regelmäßig „ausgebrannt aufgrund von Stress, hohen Erwartungen und mangelnder Wertschöpfung“. Simon Schnetzer betont: „Unser Generationenvergleich zeigt, dass die faule Jugend ein Mythos ist.“
Der hohe Leistungsdruck hat seinen Preis: Dieser könne dazu führen, dass „die mentale Gesundheit leidet“, heißt es in der Studie.
…
Eine kürzlich veröffentlichte OECD-Studie [Report (15 May 2025): How’s Life for Children in the Digital Age?] zeigte bereits, dass Kinder und Jugendliche immer früher und mehr Zeit vor Bildschirmen verbringen. 15-Jährige kommen in Deutschland demnach auf fast sieben Stunden am Tag.
Ein Drittel der befragten Jugendlichen sehen Suchtverhalten
Besonders beliebt sind bei Jugendlichen Whatsapp, Instagram und Youtube. Sie sind die meistgenutzten Kommunikationskanäle der jungen Generation, gefolgt von Tiktok, Snapchat , Pinterest und Facebook. Geschlechterunterschiede zeigen sich deutlich: Instagram, Tiktok und Snapchat sind besonders bei jungen Frauen beliebt, während Männer eher Youtube, Discord und Twitch nutzen, vor allem in der Gaming-Community. Und das mitunter sehr ausgiebig.
Laut der Jugendstudie beobachtet ein Drittel der 14- bis 19-Jährigen bei sich selbst suchthaftes Verhalten. Schmitz unterscheidet hier zwischen subjektivem Kontrollverlust und objektiver Belastung. …
Tiktok-Videos zu ADHS sind oft irreführend bis falsch
“Ein Forschungsteam hat populäre Tiktok-Videos zu ADHS untersucht. Rund die Hälfte enthielt der Studie zufolge fehlerhafte Infos. Trotzdem sind Soziale Medien auch für Gesundheitsthemen wichtige Kanäle.
Tiktok ist keine ausreichende Informationsquelle zu ADHS
Problematisch sei das besonders, weil es hier um die Gesundheit geht. “Das ist natürlich ein sensibles Thema”, sagt Paula Stehr, “da können Menschen ziemlich verunsichert werden.” Weiter zum Bericht
Psychische Gesundheit
Ist ADHS eine Modediagnose, Lisa Christ?
“Immer mehr Kunstschaffende bezeichnen sich selbst als neurodivers. Vor allem bei jungen Erwachsenen haben ADHS-Diagnosen Hochkonjunktur. Leben wir im Zeitalter eines “Diagnose-Enthusiasmus”? Gleichzeitig steigt das Bedürfnis nach mentaler Gesundheit. …”

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Media Bubble / Der Medienblog des Instituts für Medienwissenschaftt
Zwischen Hype und Realität: Die Darstellung von ADHS und Neurodiversität in sozialen Medien
In einer Ära, in der soziale Medien unser Leben dominieren, sind Informationen im Überfluss verfügbar. In der Welt der sozialen Medien nehmen Trends und Diskussionen schnell Fahrt auf. Ein solcher Trend, der in den letzten Jahren auf Plattformen wie TikTok, Instagram und Reddit besonders auffällig ist, betrifft die Darstellung von ADHS, eine neuro-atypische Erkrankung, die zunehmend auf sozialen Plattformen thematisiert wird.
[…]
Die Online-Welt floriert durch Sensation und Einfachheit. Die Symptome von ADHS, die auf sozialen Medien oft humoristisch oder „quirky“ präsentiert werden, lassen die Erkrankung wie eine Modeerscheinung wirken. Angeblich Betroffene verstecken sich hinter Aussagen, wie: „Ups, ich habe dir gar nicht zugehört– das liegt aber an meinem ADHS, dafür kann ich nichts. Oh, schau mal ein Eichhörnchen!“ Solch eine Einstellung führt zu einer gefährlichen Normalisierung von Verhaltensweisen, die eigentlich das Resultat einer ernsthaften neurologischen Erkrankung sind.
Die Wahrheit ist, dass diese Darstellungen auf sozialen Medien oft weit entfernt von wissenschaftlicher Grundlage sind. Sie vermitteln ein verzerrtes Bild von ADHS, das den eigentlichen Herausforderungen, denen Betroffene gegenüberstehen, nicht gerecht wird. ADHS ist keine leichte Erkrankung, sondern beeinflusst das tägliche Leben der Betroffenen auf komplexe Weise. Eine verantwortungsvolle Darstellung in den sozialen Medien sollte darauf abzielen, die Realität zu zeigen, anstatt falsche Vorstellungen zu perpetuieren und rücksichtslose Verhaltensweisen zu maskieren. …

Why many people are diagnosing themselves with autism and ADHD
This story was originally published in Group Therapy, a weekly newsletter answering questions sent by readers about what’s been weighing on their hearts and minds.
„A diagnosis of autism, ADHD or both can be life-changing. Although there’s still stigma, misconceptions and discrimination tied to both conditions, these imperfect-yet-specific labels can validate what neurodivergent people have sensed about themselves all along — that this is just how they’re wired, and that their challenges aren’t a personal failing.
Unfortunately, we don’t live in a world where such validation is distributed evenly. Testing for autism and ADHD is expensive; the average cost of an autism evaluation ranges from $1,000 to $2,000, although costs can vary widely depending on your insurance coverage and where you live.
And even if you have the means to get evaluated, you could be misdiagnosed or dismissed. As autistic social psychologist Devon Price points out, the diagnostic tools weren’t designed with a diverse patient population in mind. “The procedure for diagnosing autism was designed with young, white, cisgender male patients with visibly obvious symptoms in mind,” Price wrote on his blog. “To this day, it remains very common to be turned away from even being assessed for autism for being too old, too feminine (or effeminate), too socially appropriate, too good at eye contact, too Black, too brown, or too trans …“

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Wenn Kurkuma angeblich gegen Krebs wirkt
Irreführende Heilsversprechen: Projekt „Faktencheck Gesundheitswerbung“ zieht Bilanz und fordert Kontrollen
- In drei Jahren hat das Projektteam rund 40 Anbieter wegen Rechtsverstößen bei Produktwerbung abgemahnt
- Darunter bekannte Unternehmen wie DrSmile, Liebscher & Bracht, Stada, Medice und More Nutrition
- Dringend nötig ist mehr Verbraucherschutz im Internet
- Podiumsdiskussion in Berlin mit Forschung und Politik, Medienaufsicht und Influencer:innen
Viele Social Media Videos über ADHS irreführend
- Videos über seelische Erkrankungen immer beliebter
- Laut einer Studie über TikTok-Videos und ADHS nur ein Fünftel informativ, die Hälfte enthielt falsche Informationen
- Aber auch positive Aspekte wie erleichterter Zugang zu Hilfe und Entstigmatisierung
Menschen informieren sich auch über psychische Störungen wie das Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) immer mehr über das Internet. Dabei spielen auch Videos auf YouTube, Instagram und TikTok eine immer größere Rolle.
Aus Sicht von Fachleuten ist das ein zweischneidiger Trend, denn z. B. nur bei jedem fünften Video auf TikTok hielt der Inhalt einer psychiatrischen Prüfung stand. Andererseits gibt es auch positive Seiten. So sinken Schamgefühle und Hemmungen, sich über psychische Erkrankungen auszutauschen, und die Videos ermöglichen die Beschäftigung mit Erkrankungen, über deren Existenz teils wenig Wissen vorhanden ist.
„Man sollte die Inhalte der Videos über psychische Krankheiten wie ADHS erstmal kritisch prüfen, insbesondere in den sozialen Medien wie bei TikTok“, sagt Privatdozent Dr. Daniel Schöttle, Chefarzt des Zentrums für seelische Gesundheit am Asklepios Klinikum Harburg. „Nach einer Studie im „Canadian Journal of Psychiatry“ enthielten nur 21 Prozent der Videos über ADHS fachlich korrekte Informationen, in gut der Hälfte fanden sich irreführende Information und ca. ein Viertel beschrieb lediglich persönliche Erfahrung“ (Anthony Yeung, 2022), so Dr. Schöttle weiter.
Zugleich kann Dr. Schöttle, der als Spezialist für ADHS gilt, den Videos auch Gutes abgewinnen: So kann die Darstellung entstigmatisierend wirken und Anstoß geben, sich Hilfe zu suchen, wenn man sieht, dass die schlechte Stimmung nicht einfach nur „schlecht drauf sein“ ist, sondern möglicherweise im Rahmen einer depressiven Episode vorkommt…
“Neurodiversität und AD(H)S im Fokus”
“Kennt ihr die Begriffe Neurodiversität und Neurodivergenz? … Wenn wir Begriffe wie Neurodiversität und Neurodivergenz verwenden, können wir dazu beitragen, die Stigmatisierung und Pathologisierung von Menschen mit AD(H)S zu verringern. Ihre Seinsweise kann als wertvoller Teil menschlicher Vielfalt verstanden werden. In diesem Film nähern wir uns den Begriffen Neurodiversität und Neurodivergenz aus der Perspektive des Lebens mit AD(H)S. Uns interessiert vor allem: Welche Chancen tragen die Konzepte Neurodiversität und Neurodivergenz für Inklusion und ein gleichberechtigtes Miteinander in sich? Was können wir als Gesellschaft von ihnen lernen? Wo können sie aber auch missverstanden werden? ...” Weiter zur Reportage
Psychische Gesundheit
“Jugendliche und junge Erwachsene: Normales wird pathologisiert“
“Fragwürdige Selbstdiagnosen und gefährliches Coaching in sozialen Netzwerken, vor allem über Tiktok, nehmen zu. Manche psychischen Erkrankungen werden so quasi über Nacht zu einem regelrechten Hype gemacht. Das birgt Gefahren. …Um zu einer Selbstdiagnose zu gelangen, werden unter anderem Videos angeschaut, in denen Fachleute, Laien und Betroffene psychische Störungen beschreiben oder entsprechende Symptome vorführen, es wird nach (Fach-)Artikeln gesucht und es werden Anleitungen zu Selbstdiagnosen befolgt, die im Netz kursieren und nicht selten von jungen Laien „entwickelt“ wurden wie etwa die „Finger-Methode“: Dabei zeigt der selbst ernannte Experte dem Zuschauer mehrere ausgestreckte Finger und fordert ihn auf, ebenfalls seine Finger auszustrecken. …” Weiter zum Artikel
Psychische Gesundheit
“ADHS und soziale Medien: Warum wir denken, betroffen zu sein“
“…Ein Viertel der Erwachsenen in den USA vermutet, nicht diagnostiziertes ADHS zu haben. Das hat eine aktuelle Studie ergeben. Aufmerksamkeitsdefizit-/ Hyperaktivitätsstörung, kurz ADHS, wird typischerweise als eine psychische Störung im Kindesalter angesehen… …Die Forschenden hinter der aktuellen Studie gehen davon aus, dass das Bewusstsein für ADHS bei den Erwachsenen durch angesagte Social-Media-Videos geschärft wurde. Auf Tiktok und Instagram sind Videos und Bilder zu dem Thema aktuell populär. Gerade im Zusammenhang mit Konzentrations- und Motivationsproblemen entsteht schnell der Eindruck, man könnte von ADHS betroffen sein…” Weiter zum Artikel & Sendung
Umfrage in den USA
“Survey finds 25% of adults suspect they have undiagnosed ADHD”
“A new national survey of 1,000 American adults commissioned by The Ohio State University Wexner Medical Center and College of Medicine finds that 25% of adults now suspect they may have undiagnosed ADHD. But what worries mental health experts is that only 13% of survey respondents have shared their suspicions with their doctor.

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Hirschhausen und ADHS
Hirschhausens Check-up
Arzt und Moderator Eckart von Hirschhausen hat vor 30 Jahren in der Kinder- und Jugendpsychiatrie mit jungen ADHS-Patienten gearbeitet. Jetzt hat er eine Reportage über ADHS gemacht. Auch er selbst ist von der Krankheit betroffen. In seiner Sendung spricht er über ADHS u.a. mit ADHS-Expert:innen wie Frau Prof. Dr. med. A. Philipsen (Universitätsklinikum Bonn) und Prof. Dr. med. A. Reif (Universitätsklinikum Frankfurt). Weiter zur Sendung

Manager plädiert für Neurodiversität
“ADHS ist eine meiner größten Superkräfte“
“Der Manager Rahmyn Kress hat spät erfahren, dass er von der Aufmerksamkeitsstörung ADHS betroffen ist. Für ihn ist das Konzert im Kopf kein Makel – sondern eine Gabe, die ihn kreativer macht. ”
Manager mit ADHS
“Neurodiverse Menschen fallen oft durchs Raster”
“In Deutschland haben neurodiverse Menschen noch keine gute Lobby. Der deutsche Manager und Gründer Rahmyn Kress, selbst von Dyslexie und ADHS betroffen, will das ändern. Er fordert, dass in jedem Vorstand oder Aufsichtsrat jemand sitzt, der anders denkt.”
ADHS im Job
“Es gibt viele ADHSler, die in Hochleistungsjobs arbeiten”
“ADHS bringen viele mit Konzentrationsschwäche und Defiziten in Verbindung – tatsächlich arbeiten viele Betroffene in Hochleistungsjobs. Warum sie auch außergewöhnlich gute Führungskräfte sein können, erklärt ein ADHS-Forscher.”
